Was ist eine Vorproduktion?

Was ist eine Vorproduktion?

In diesem Artikel beantworte ich dir die folgenden Fragen:

1. Was ist eine Vorproduktion?
2. Formen einer Vorproduktion
3. Vorteile einer Vorproduktion
4. Wann ist eine Vorproduktion sinnvoll?
5. 3 Beispiele – Vorproduktion und Produktion im Vergleich

Was ist eine Vorproduktion?

Eine Vorproduktion ist kurz gesagt eine etwas weniger zeitintensive und weniger aufwendige Produktion. D.h. alle wichtigen Elemente eines Songs sind auch in einer Vorproduktion festgehalten. Du konzentrierst dich aber vor allem auf die songprägenden Teile. Die Performance muss dabei nicht 100% akurat sein, wie das dann bei der „richtigen“ Produktion angestrebt wird.

Letztendlich geht es also darum, die grundsätzliche Idee, Energie und Stimmung eines Songs festzuhalten, um der ProduzentIn im Studio die Arbeit etwas zu erleichtern und eine gute Verständigungsgrundlage zwischen dir und der ProduzentIn zu schaffen.

Die Vorproduktion kann eine sehr simple Zusammenfassung musikalischer Parameter und Inhalte sein (Lyrics, Akkordfolgen, Tempo, Arrangement). Ebenso kann sie aber ein sehr zeitintensiver Prozess sein, der nahezu fließend in die eigentliche Produktion übergeht. Betrachten wir einmal die gängigsten Formen einer Vorproduktion und welches Equipment dafür nötig ist.

Formen einer Vorproduktion

1. Demoaufnahme
2. Demoaufnahme mit Overdubs
3. Programmierte Drums mit Overdubs
4. Notierung und Midi-Vorproduktion

1. Demoaufnahme
Eine einfache Liveaufnahme aus dem Proberaum – as simple as that!

Benötigtes Equipment:
Dein Smartphone und eine Recording App reicht vollkommen aus.
Am besten eine App, bei der du den Pegel einstellen kannst, um Übersteuerungen zu vermeiden.
Ich nutze Smart Recorder (Android). Kostenlos, einfach und absolut ausreichend.

Wenn Du es etwas professioneller und sauberer im Klang haben willst und etwas Budget zur Verfügung hast, ist ein Zoom Recorder eine günstige Möglichkeit. Vorteil: Der Zoom Recorder ist auch als Interface an deinem Rechner nutzbar! Eine Anleitung dazu findest du hier.

2. Demoaufnahme mit Overdubs
Sehr ähnlich zu der ersten Variante. Allerdings konzentrierst Du dich zunächst auf den rein instrumentalen Teil der Musik und lässt zum Beispiel den Gesang oder die Soli noch weg. Spiele den Song so oft, bis Du zufrieden bist. Im Anschluss nimmst Du über das aufgenommene Demo noch zusätzlich die weggelassenen Teile auf – das nennt man dann „Overdubs“.

Nun klingt alles schonmal deutlich aufgeräumter, transparenter und es gibt mehr Möglichkeiten den Gesang oder ein Solo in ein vernünftiges Lautstärkenverhältnis zum Rest des Songs zu setzen. Auch kann man zum Beispiel Effekte, wie Reverb oder Delay auf die Stimme oder das Solo legen, um die Spuren wieder besser miteinander verschmelzen zu lassen oder einen gewünschtes Soundästhetik hervorzuheben.

Benötigtes Equipment:
Hierfür würde der bereits oben erwähnte Zoom Recorder ausreichen.
Am besten den ersten Teil als Demo direkt mit dem Zoom Recorder aufzeichnen. Außerdem wird hier auch eine sogenannte DAW benötigt (Digital Audio Workstation; zum Beispiel Logic Pro X, Cubase, Ableton,…), um zu dem Demo im Nachgang die fehlenden Spuren mit einem externen Mikrofon aufzuzeichnen. Welche DAW und Mikros ich nutze findest du in meinem Equipment.

3. Programmierte Drums mit Overdubs
Programmierte Drums sind lange kein No-Go mehr und gerade während der Vorproduktion ein sehr nützliches Tool. Grooves, Styles und Beats sind schnell ausgetauscht und auch der Sound des Drumsets kann mit einem Klick komplett verändert werden. Das geht schnell, es klingt professionell und man kann auch noch weiter ins Detail gehen, einzelne Schläge vorhandener Grooves einfach löschen und verschieben oder gleich den Schlagzeugrhythmus komplett selbst bauen. Hat man sich einmal die Mühe gemacht und die Drums für einen Track arrangiert kann man nun nach und nach die fehlenden Instrumente im Overdub Verfahren aufnehmen und die Vocals einsingen.

Benötigtes Equipment:
Neben einer DAW, einem Interface, einem externen Mikrofon und einem Kopfhörer (gibt es im praktischen Recording Set) brauchst du außerdem eine Virtual Drum Machine. Viele DAWs haben inzwischen eine gute Lösung integriert. Falls du etwas mehr Soundauswahl und Einfluss auf die Styles haben möchtest empfehle ich allerdings ein Drittanbieterlösung wie zum Beispiel SSD5, EZ Drummer, Superior Drummer oder Addictive Drums  (Ich selbst nutze SSD5 und Superior Drummer und haben schon komplette Produktionen nur mit diesen Drumcomputern gemacht!)

4. Notierung und Midi-Vorproduktion
Wenn Du eine KomponistIn und SongwriterIn bist, die alles für die komplette Besetzung schreibt bietet sich eine Notations-Software an. In der Regel gibt es sogar die Möglichkeit, den kompletten Song oder einzelne Instrumente als .mp3 zu exportieren. Das ist hilfreich, um zum Notenbild auch noch eine Soundspur zu haben.

Die einzelnen Spuren lassen sich aber auch als Midi Datei exportieren, die du wiederum in deiner DAW importieren und weiterverwenden kannst, um andere Sounds damit anzusteuern.

Benötigtes Equipment:
Ich arbeite mit der Notationssoftware Guitar Pro. Viele DAWs haben inzwischen auch so eine integriert. Ich selbst greife aber immer noch lieber auf Guitar Pro zurück – und ich bin einfach unglaublich in den Midi Sound von der Software verliebt und weiß noch immer die Zahlen der einzelnen Schalginstrumente auswendig (Guitar Pro NutzerInnen vor Version 5 wissen wovon ich rede).

Das waren also die gängigsten Formen von Vorproduktionen. Betrachten wir einmal, welche Vorteile es haben kann Zeit und auch Geld in eine Vorproduktion zu investieren.

Vorteile eine Vorproduktion

Berechtigterweise fragst Du dich vielleicht die folgende Frage:
Eine Produktion und eine ProduzentIn kostet viel Zeit und Geld. Warum also noch mehr investieren, wenn ich doch eh schon in mich und meine Musik investiere, um mit einem Profi zusammenzuarbeiten?

Es gibt eine Vielzahl an Vorteilen. Einige davon sind die folgenden:

1. Vorproduktionen sparen Zeit und Geld
Tatsächlich sparst Du eher etwas Geld, wenn Du dir viel Zeit nimmst für eine gute Vorproduktion. Das dafür benötigte Equipment ist eine einmalige Investition, welches für kommende Songs und Projekte aber genauso eingesetzt werden kann.

Und im Studio wird für gewöhnlich nach einem Stunden- oder Tagessatz abgerechnet. D.h. je mehr Zeit du vorab investierst, desto schneller kann es im Studio gehen. Das spart Zeit und somit Geld.

Etwas Zeit und Geld für spontane Experimente und Ideen der ProduzentIn solltest Du dennoch einplanen. Schließlich ist es genau die Erfahrung und Expertise der ProduzentIn der Grund, warum du dich für eine Zusammenarbeit entschieden hast.

2. Du lernst die Arbeit der ProduzentIn besser zu verstehen
Wenn Du dich für eine Vorproduktion entscheidest, musst Du dich selbst mit den Themen Recording und je nach Art der Vorproduktion auch grundlegend mit Mixing beschäftigen. Das hilft dir später im Studio, die Arbeit der ProduzentIn besser zu verstehen und nachzuvollziehen. Das hat den Vorteil, dass Du dich nicht in die „Blackbox“ Studio begibst, und keine Ahnung von dem hast was da eigentlich passiert.

3. Du lernst Entscheidungen zu treffen
Bei einer Vorproduktion musst Du Entscheidungen treffen. Spielst Du das eine Gitarrenriff in dieser Lage oder eine Oktave tiefer? Sollte in jedem Refrain die zweite Stimme vorkommen oder vielleicht doch nur im letzten als Steigerung? Ist das Intro zu lange oder lässt Du es vielleicht doch ganz weg und gehst direkt in die erste Strophe?

Es gibt 1.001 und noch mehr Möglichkeiten – bei einer Vorproduktion lernst Du dich zu entscheiden. Oft zögert man Entscheidungen aus Angst etwas „falsch“ zu machen heraus unter der Annahme, dass der Song ja „perfekt“ werden soll. Meiner Meinung nach ist Perfektion aber etwas sehr subjektives und bremst den kreativen Prozess eher, als dem finalen Song wirklich gut zu tun (zu dem Thema wird es bald noch einen eigenen Artikel geben).

4. Du merkst worauf es dir bei deinem Song wirklich ankommt
In der Vorproduktion sollten nur die Elemente Platz finden, die für dich, deinen Song und deine Vision davon absolut essenziell erscheinen. Sieh die Vorproduktion als eine Art Zusammenfassung deines Songs an in der klar und eindeutig hervorgehoben wird, was den Song ausmacht.

5. Du verstehst Deinen Song besser
Parameter wie u.a. Tempo, Tonart, Arrangement, Songlänge und Instrumentierung werden dir bei einer Vorproduktion nochmal konkret vor Augen gehalten. Somit lernst Du deinen Song besser verstehen und vielleicht fallen dir sogar selbst schon Stärken auf, die Du später noch mehr hervorheben möchtest. Fallen dir Schwächen auf, kannst Du diese direkt im Keim ersticken.

6. Du übst deinen Song (ohne zu Üben)
Vorproduzieren heißt, dass Du den ein oder anderen Part etwas öfter spielen oder singen musst, bis der Take so sitzt, wie Du das gern hättest. Das heißt gleichzeitig übst Du deine Songs – und das ganz beiläufig. Das macht sich in der eigentlichen Produktion, aber auch später auf der Bühne bei Live-Auftritten bezahlt.

7. Guidetracks
Ein sehr praktischer Nebeneffekt einer Vorproduktion ist, dass dir für die Recordingsessions der Produktion sogenannte „Guidetracks“ zu Verfügung stehen. Guidetracks sind einzelne Instrumente oder Instrumentengruppen, die dir während der Aufnahme als Richtlinie dienen, um „fehlerfrei“ durch den Song zu kommen.

Eine häufige Herausforderung bei reinen Overdub Aufnahmen zum Beispiel für SchlagzeugerInnen ist es, das erste Mal nur mit Klick (Metronom) und ohne das Zusammenspiel der BandkollegInnen den Track zu performen. Guidetracks sind da eine sehr hilfreiche Sache, die Sicherheit bei der Recording Session geben.

Soviel zu den Vorteilen einer Vorproduktion. Aber wann ist eine Vorproduktion denn eigentlich wirklich sinnvoll? Lohnt sich der Mehraufwand immer?

Wann ist eine Vorproduktion sinnvoll?

Eine Vorproduktion ist meiner Meinung nach fast immer sinnvoll. Es muss aber nicht zwangsläufig das volle Programm sein. Meistens reicht eine Handy-Aufnahme aus dem Proberaum vollkommen aus. Das hängt auch ganz davon ab, was Du dir von der Zusammenarbeit mit der ProduzentIn erwartest und welche Vision Du von deinen Songs hast.

Wenn Du vor allem Texte schreibst und jemanden suchst, der dir dabei hilft komplette Songs aus deinen Ideen zu machen genügt eine Demoaufnahme vollkommen. Die kann man auch oft noch im Studio anfertigen, bevor man so richtig loslegt.

Wenn Du eine mehrköpfige Band hast oder eine sehr genaue Vorstellung hast von dem, wohin die Soundreise gehen soll, ist es besser, wenn Du etwas mehr Zeit in die Vorproduktion investierst. ProduzentInnen können dir dann noch besser dabei helfen, deinen Wunschsound anhand der Vorproduktion umzusetzen. Teilweise kann man auch einzelne Spuren aus der Vorproduktion übernehmen, verbessern und verfeinern.

3 Beispiele – Vorproduktion und Produktion im Vergleich

Nun möchte ich dir ein paar Beispiele aus meiner Tätigkeit als Produzent in meinem Studio zeigen, damit Du eine bessere Idee davon bekommst, was die Voraussetzungen waren und wohin diese letztendlich geführt haben.

Li.Be. – Clash Crash

Voraussetzungen:
Der Wunsch von Lisa war aus ihren Songs melodische Punkrock Nummern zu produzieren. Das was Lisa’s Style ausmachte (catchy Melodien, simple Akkordfolgen und natürlich ihre sagenhaft gute Stimme) sollte auf jeden Fall erhalten bleiben. Grundsätzlich sollte die Richtung anderer von mir bereits produzierter Punkrock Songs eingeschlagen werden.

Die Idee war festgehalten, die Richtung klar und konkret vorgegeben. Somit war die Art der Vorproduktion in Form einer einfachen Handyaufnahme absolut ausreichend. Das klang in etwa so:


Vorproduktion:


Fertige Produktion:


Track in voller Länge:

SpotifyApple Music

The Prosecution – Where We Belong

Voraussetzungen:
The Prosecution war für lange Zeit mein eigenes Herzensprojekt. Bis 2019 tourten wir durch ganz Europa mit über 300 Shows und haben mehrere Alben veröffentlicht. Bei den ersten Alben war ich in der Position des Songwriters und Komponisten, später produzierte ich dann die Alben auch.

Ich hatte eine klare Vision von den Songs und da wir 8 Menschen in der Band waren (Schlagzeug, Percussion, 2 Gitarren, Bass, Posaune, Trompete, Saxofon, Vocals) war es zwangsläufig nötig, die Songs sehr gut vorzubereiten, bevor es ins Studio ging.

Wir haben lange Zeit alles in Guitar Pro arrangiert und komponiert. Später haben wir dann zusätzlich noch etwas aufwendigere Vorproduktionen gemacht, bei denen wir auch die Vocals aufgenommen haben (auch weil mein Interesse am Produzieren immer größer wurde).

Screenshot Guitar Pro vom Song „Where We Belong“ von The Prosecution:
The Prosecution Vorproduktion Guitar Pro 7


Vorproduktion:


Fertige Produktion:


Track in voller Länge:

Offizielles Musikvideo | SpotifyApple Music

Max Seelos – Dorfplatz

Voraussetzungen:
Max Seelos ist ein Songwriter und Schlagzeuger aus Regensburg, genau genommen Burglengenfeld. Für u. a. Keller Steff, Susi Raith & die Spießer und das eigene Orchester hat er schon komponiert und arrangiert.

Es liegt deshalb nahe, dass er auch eigene Songs veröffentlicht. Einen dieser Songs haben wir hier im Reh Mit Rucksack Studio in Regensburg produziert. Max ist durch seine langjährige Tätigkeit als Musiker schon etwas besser ausgestattet, um aufwendigere Vorproduktionen umzusetzen. Das Ziel war: Rausholen was geht und radio-ready Songs zu produzieren.


Vorproduktion:


Fertige Produktion:


Track in voller Länge:
Spotify | Apple Music

Fazit

Jetzt weißt Du vielleicht schon, welche Art der Vorproduktion für dich und dein musikalisches Projekt in Frage kommt. Wenn Du dir aber noch unsicher bist, kannst du mich gerne kontaktieren. Bei einem kostenlosen Beratungsgespräch finden wir gemeinsam raus, was der beste Weg für dich ist.